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Was ist Anlagendokumentation?

Anlagendokumentation ist die Gesamtheit aller technischen Unterlagen, die eine verkettete Maschine oder Produktionsanlage über ihren Lebenszyklus begleiten. Sie fasst die Dokumentation der einzelnen Maschinen zu einer Dokumentation der Gesamtanlage zusammen und ergänzt sie um anlagenspezifische Unterlagen wie Schaltpläne, Schnittstellenbeschreibungen und das Sicherheitskonzept. Anders als die Betriebsanleitung eines Einzelprodukts richtet sich die Anlagendokumentation an mehrere Zielgruppen gleichzeitig – vom Bediener über die Instandhaltung bis zur Arbeitssicherheit.

Woraus besteht eine Anlagendokumentation?

Eine Anlagendokumentation setzt sich aus drei Blöcken zusammen, die von unterschiedlichen Beteiligten geliefert werden.

Bestandteile der AnlagendokumentationDie Anlagendokumentation setzt sich aus Herstellerdokumentation, anlagenspezifischen Unterlagen und der Betreiberdokumentation zusammen.HerstellerdokuBetriebsanleitungender EinzelmaschinenKonformitätserklärungenErsatzteillistenAnlagenspezifischGesamtbetriebsanleitungSchaltpläne, R&ISchnittstellenNot-Halt-KonzeptBetreiberdokuPrüfprotokolleWartungsnachweiseÄnderungenGefährdungsbeurteilungErst die Zusammenführung aller drei Teile ergibt eine vollständige AnlagendokumentationAbb. 1 · CARSTENS + PARTNER
Abb. 1: Die drei Bestandteile einer Anlagendokumentation
  • Herstellerdokumentation der Einzelkomponenten: Betriebsanleitungen, Konformitätserklärungen und Ersatzteillisten aller verbauten Maschinen und Zukaufteile.
  • Anlagenspezifische Unterlagen: die Gesamtbetriebsanleitung, Schaltpläne, Fließbilder, Beschreibungen der Schnittstellen und das Not-Halt-Konzept der Gesamtanlage.
  • Betreiberdokumentation: Prüfprotokolle, Wartungsnachweise, Gefährdungsbeurteilung und die Dokumentation aller späteren Änderungen.

Worin unterscheidet sie sich von der Maschinendokumentation?

Die Maschinendokumentation beschreibt ein abgeschlossenes Produkt mit definierten Grenzen. Die Anlagendokumentation beschreibt ein Zusammenwirken: Mehrere Maschinen bilden gemeinsam eine Funktionseinheit, und genau an den Schnittstellen entstehen die Risiken, die keine der Einzelanleitungen abdeckt.

Praktisch heißt das: Die Summe der Einzelanleitungen ist keine Anlagendokumentation. Wer einen Ordner mit zwanzig Herstelleranleitungen übergibt, hat die Dokumentationspflicht für die Gesamtanlage nicht erfüllt – es fehlen die verbindenden Informationen zu Materialfluss, Steuerungslogik und übergreifender Sicherheitsfunktion.

Welche rechtlichen Pflichten gelten?

Werden mehrere Maschinen so verkettet, dass sie als Gesamtheit funktionieren, gilt diese Gesamtheit im Sinne der Maschinenrichtlinie in der Regel selbst als Maschine. Damit entsteht für die Gesamtanlage eine eigene Pflicht zur Risikobeurteilung, zur Betriebsanleitung und zur CE-Kennzeichnung.

Die Rolle des Herstellers der Gesamtanlage trifft dabei denjenigen, der die Verkettung vornimmt – das kann auch der Betreiber selbst sein, wenn er Maschinen eigenständig zu einer Anlage verbindet. Diese Konstellation wird in der Praxis häufig übersehen.

Wie wird eine Anlagendokumentation strukturiert?

Bewährt hat sich eine Gliederung nach Anlagenteilen statt nach Lieferanten. Der Nutzer sucht Informationen entlang der Anlage, nicht entlang der Einkaufsstruktur.

  1. Anlagenübersicht mit Aufbau, Funktionsprinzip und Anlagengrenzen.
  2. Sicherheitskapitel für die Gesamtanlage, einschließlich Not-Halt-Bereiche und Zugangskonzept.
  3. Anlagenteile mit jeweils Bedienung, Störungsbehebung und Wartung.
  4. Schnittstellen zwischen den Teilen, mit Verantwortungsgrenzen.
  5. Anhang mit den Herstellerdokumenten der Einzelkomponenten.

Der vierte Punkt entscheidet über die Qualität. Ungeklärte Verantwortungsgrenzen zwischen Anlagenteilen sind der häufigste Mangel bei Abnahmen.

Wie hält man Anlagendokumentation aktuell?

Anlagen leben lange und werden laufend umgebaut. Eine Dokumentation, die nur zur Abnahme stimmt, verliert innerhalb weniger Jahre ihren Wert. Deshalb gehört zur Anlagendokumentation ein Änderungsprozess: Jeder Umbau erzeugt eine dokumentierte Fassung mit Datum und Verantwortlichem.

Bei größeren Anlagen wird die Dokumentation deshalb nicht als Dokumentsammlung, sondern modular in einem Redaktionssystem gepflegt. Änderungen an einem Anlagenteil wirken dann automatisch in allen Ausgaben, in denen dieser Teil vorkommt. Zur Ablage und Versionierung dient häufig ein Dokumentenmanagement-System.

Was gehört bei der Übergabe an den Betreiber dazu?

Die Übergabe ist der Moment, in dem sich zeigt, ob die Dokumentation vollständig ist. Sinnvoll ist eine Übergabeliste, die drei Fragen je Dokument beantwortet: Liegt es vor, in welcher Sprache, und in welchem Format – Papier, PDF oder als Datenpaket.

Zunehmend verlangen Betreiber strukturierte Übergabeformate statt PDF-Sammlungen, um die Inhalte in eigene Instandhaltungssysteme übernehmen zu können. Genau dafür wurde der Standard iiRDS entwickelt, der Dokumentation maschinenlesbar mit Metadaten anreichert.

Häufige Fragen

Wer erstellt die Anlagendokumentation?
Verantwortlich ist derjenige, der die Anlage als Gesamtheit in Verkehr bringt. Erstellt wird sie meist von der Technischen Redaktion des Anlagenbauers, oft mit externer Unterstützung.

Muss jede Einzelmaschine eine eigene Betriebsanleitung behalten?
Ja. Die Anleitungen der Einzelmaschinen bleiben Bestandteil der Anlagendokumentation und werden nicht durch die Gesamtbetriebsanleitung ersetzt.

In welcher Sprache muss die Anlagendokumentation vorliegen?
In der Amtssprache des Verwendungslandes. Bei Anlagen mit internationalem Bedienpersonal werden zusätzliche Sprachfassungen vertraglich vereinbart.

CARSTENS + PARTNER erstellt Anlagendokumentation für Maschinen- und Sonderanlagenbau. Mehr dazu auf der Seite Technische Redaktion.


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