Was ist CAT-Tools?
CAT-Tools sind Softwarewerkzeuge, die menschliche Übersetzerinnen und Übersetzer bei ihrer Arbeit unterstützen. Die Abkürzung steht für „Computer-Aided Translation“, also computerunterstützte Übersetzung. Ein CAT-Tool übersetzt nicht selbst: Es zerlegt den Text in Segmente, gleicht sie mit früheren Übersetzungen ab und schlägt passende Treffer vor. Kernstück ist das Translation-Memory-System, ergänzt um eine Terminologiedatenbank und einen Übersetzungseditor. Damit unterscheiden sich CAT-Tools grundlegend von der maschinellen Übersetzung, die eigenständig einen Zieltext erzeugt.
Inhalt
Wie funktioniert ein CAT-Tool?
Der Ausgangstext wird zunächst in Segmente zerlegt, meist auf Satzebene. Für jedes Segment durchsucht das System das Translation Memory nach identischen oder ähnlichen früheren Übersetzungen und zeigt den Treffer mit einem Übereinstimmungsgrad an.
Die Übersetzerin entscheidet, ob sie den Vorschlag übernimmt, anpasst oder verwirft. Jede freigegebene Übersetzung wandert zurück ins Memory und steht künftigen Projekten zur Verfügung. Der Nutzen wächst damit mit jedem Projekt.
Was bedeuten die Übereinstimmungsgrade?
CAT-Tools unterscheiden Trefferarten, die auch die Abrechnung strukturieren:
- 100-%-Match: Das Segment ist identisch zu einem gespeicherten Segment.
- Kontext-Match: Zusätzlich stimmt das Umfeld überein – der Treffer ist dadurch sicherer als ein reiner 100-%-Match.
- Fuzzy-Match: Teilweise Übereinstimmung, üblicherweise ab 70 Prozent aufwärts. Die Übersetzerin passt an.
- Wiederholung: Ein Segment kommt im selben Dokument mehrfach vor.
Für Auftraggeber ist relevant, dass die Trefferquote direkt von der Konsistenz des Ausgangstextes abhängt. Zwei Sätze, die dasselbe aussagen, aber unterschiedlich formuliert sind, erzeugen zwei Segmente statt einer Wiederholung.
Worin unterscheiden sich CAT-Tools und maschinelle Übersetzung?
Ein CAT-Tool schlägt vor, was ein Mensch früher übersetzt hat. Eine maschinelle Übersetzung erzeugt einen neuen Zieltext, den vorher niemand geschrieben hat. Das eine ist Wiederverwendung, das andere Generierung.
In der Praxis verschwimmt die Grenze, weil moderne CAT-Tools maschinelle Übersetzung als zusätzliche Vorschlagsquelle einbinden. Findet das Memory keinen Treffer, liefert die Engine einen Rohvorschlag, den die Übersetzerin nachbearbeitet – das ist dann Post-Editing innerhalb der CAT-Umgebung.
Welchen Nutzen haben CAT-Tools in der Technischen Dokumentation?
Technische Dokumentation ist der Idealfall für CAT-Tools: hoher Wiederholungsgrad, sachlicher Stil, viele Folgeversionen. Ein Handbuch, das in der zweiten Generation zu siebzig Prozent aus unverändertem Text besteht, wird auch nur zu dreißig Prozent neu übersetzt.
Der zweite Nutzen ist Konsistenz. Ein Sicherheitshinweis, der in fünf Anleitungen vorkommt, erhält in allen fünf dieselbe Übersetzung. Für sicherheitsrelevante Inhalte ist das kein Komfort, sondern eine Qualitätsanforderung – siehe DIN EN ISO 17100.
Welche CAT-Tools sind verbreitet?
Der Markt wird von wenigen Systemen dominiert. Verbreitet sind Trados Studio, memoQ und Across; hinzu kommen browserbasierte Systeme wie Phrase oder XTM, die ohne lokale Installation auskommen.
Trados Studio gilt als Quasi-Standard in der Übersetzungsbranche und wird häufig auch dann verlangt, wenn ein Dienstleister intern ein anderes System nutzt. Entscheidend für Auftraggeber ist weniger das konkrete Werkzeug als die Frage, ob Translation Memory und Terminologie in austauschbaren Formaten vorliegen und damit dem Auftraggeber gehören.
Wem gehören Translation Memory und Terminologie?
Diese Frage wird zu selten vertraglich geklärt und ist wirtschaftlich bedeutsam. Translation Memory und Terminologiebestand entstehen aus den Texten des Auftraggebers und stellen einen erheblichen Wert dar.
Sinnvoll ist eine ausdrückliche Regelung, dass beide Bestände dem Auftraggeber gehören und ihm auf Verlangen in einem austauschbaren Format herausgegeben werden – üblich sind TMX für Translation Memories und TBX für Terminologie. Ohne diese Regelung entsteht eine Bindung an den Dienstleister, die einen späteren Wechsel teuer macht.
Häufige Fragen
Übersetzt ein CAT-Tool automatisch?
Nein. Ein CAT-Tool schlägt frühere Übersetzungen vor; die Übersetzung selbst leistet ein Mensch. Automatisch übersetzt nur eine Engine für maschinelle Übersetzung.
Was ist der Unterschied zwischen CAT-Tool und Translation-Memory-System?
Das Translation-Memory-System ist die Kernkomponente eines CAT-Tools. Das CAT-Tool umfasst zusätzlich Editor, Terminologieanbindung und Qualitätsprüfungen.
Lohnen sich CAT-Tools auch bei kleinen Textmengen?
Der Nutzen entsteht durch Wiederholung. Bei einmaligen, kurzen Texten ist er gering, bei regelmäßig aktualisierter Dokumentation dagegen erheblich.
CARSTENS + PARTNER übersetzt mit CAT-Tools und übergibt Translation Memory und Terminologie auf Wunsch in offenen Formaten. Mehr dazu auf der Seite Technische Übersetzungen.




