Was ist Terminologiemanagement?
Terminologiemanagement ist der systematische Prozess, mit dem ein Unternehmen seine Fachbegriffe erfasst, festlegt, pflegt und allen Beteiligten zur Verfügung stellt. Ziel ist, dass für jeden Gegenstand und jeden Sachverhalt genau eine verbindliche Benennung existiert – in der Ausgangssprache und in jeder Zielsprache. Terminologiemanagement umfasst damit mehr als eine Wortliste: Es regelt auch, wer Benennungen freigibt und wie sie in Redaktion, Übersetzung und Konstruktion ankommen. Es baut auf der Terminologie auf, die den Bestand an Fachbegriffen selbst bezeichnet.
Inhalt
- Worin unterscheidet sich Terminologiemanagement von Terminologie?
- Wie läuft Terminologiearbeit im Unternehmen ab?
- Was ist eine Terminologiedatenbank?
- Welchen Nutzen hat Terminologiemanagement?
- Wer ist am Terminologiemanagement beteiligt?
- Wie steigt man in das Terminologiemanagement ein?
- Häufige Fragen
Worin unterscheidet sich Terminologiemanagement von Terminologie?
Terminologie ist der Bestand: die Gesamtheit der Fachbegriffe eines Fachgebiets samt ihrer Definitionen. Terminologiemanagement ist der Prozess, der diesen Bestand erzeugt und am Leben hält.
Der Unterschied wird praktisch, sobald ein Unternehmen wächst. Eine einmal erstellte Begriffsliste veraltet mit der ersten Produktgeneration. Ohne festgelegte Zuständigkeiten und einen wiederkehrenden Ablauf entstehen binnen weniger Jahre wieder konkurrierende Benennungen – und genau das soll Terminologiemanagement verhindern.
Wie läuft Terminologiearbeit im Unternehmen ab?
Terminologiearbeit ist kein Projekt mit Enddatum, sondern ein Kreislauf aus fünf Schritten.
- Erfassen: Benennungen aus bestehenden Dokumenten, Stücklisten und Konstruktionsdaten zusammentragen.
- Prüfen: Dubletten, Synonyme und widersprüchliche Verwendungen aufdecken.
- Freigeben: je Begriff eine Vorzugsbenennung festlegen und abweichende Varianten ausdrücklich als unerwünscht kennzeichnen.
- Bereitstellen: den freigegebenen Bestand dorthin bringen, wo geschrieben und übersetzt wird.
- Pflegen: neue Begriffe aufnehmen, veraltete stilllegen.
Der dritte Schritt ist der kritische. Eine Freigabe ohne benannte Entscheidungsinstanz führt dazu, dass Diskussionen über Benennungen immer wieder von vorn beginnen.
Was ist eine Terminologiedatenbank?
Eine Terminologiedatenbank – auch Termbank genannt – ist das Werkzeug, in dem der freigegebene Begriffsbestand gepflegt wird. Sie speichert je Begriff nicht nur die Benennung, sondern auch Definition, Fachgebiet, Status, Quelle und die Entsprechungen in den Zielsprachen.
Entscheidend ist die Anbindung: Eine Termbank, die niemand während des Schreibens sieht, wirkt nicht. Deshalb wird sie an das Redaktionssystem und an die Übersetzungswerkzeuge angebunden, sodass abweichende Benennungen bereits beim Schreiben auffallen. Bei Übersetzungen greift zusätzlich das Translation-Memory-System auf denselben Bestand zu.
Welchen Nutzen hat Terminologiemanagement?
Der Nutzen entsteht an drei Stellen und lässt sich meist beziffern.
- Übersetzungskosten: Einheitliche Ausgangstexte erhöhen die Trefferquote im Translation Memory. Jede vermiedene Formulierungsvariante ist ein Segment, das nicht erneut übersetzt werden muss.
- Verständlichkeit und Sicherheit: Wird dasselbe Bauteil in Anleitung, Ersatzteilliste und Schulungsunterlage unterschiedlich benannt, entstehen Fehlbedienungen und Fehlbestellungen.
- Maschinelle Übersetzung und KI: Systeme, die Texte automatisch übersetzen oder auswerten, sind auf konsistente Benennungen angewiesen. Uneinheitliche Ausgangstexte senken die Qualität messbar.
Wer ist am Terminologiemanagement beteiligt?
Terminologie entsteht nicht in der Redaktion allein. Beteiligt sind typischerweise vier Rollen: die Technische Redaktion als Hauptanwenderin, die Konstruktion als Quelle neuer Benennungen, das Übersetzungsmanagement für die Zielsprachen und der Vertrieb, der marktübliche Bezeichnungen einbringt.
Bewährt hat sich eine kleine Entscheidungsrunde mit klarem Mandat statt eines großen Gremiums. Zwei bis drei Personen, die verbindlich entscheiden dürfen, kommen schneller zu einem gepflegten Bestand als ein Kreis, in dem jede Benennung ausdiskutiert wird.
Wie steigt man in das Terminologiemanagement ein?
Der häufigste Fehler ist der Versuch, den gesamten Wortschatz auf einmal zu erfassen. Sinnvoller ist ein enger Startbereich: die 200 bis 400 Begriffe, die in den sicherheitsrelevanten Kapiteln und in den meistübersetzten Dokumenten vorkommen.
Dieser Kern lässt sich in wenigen Wochen sauber freigeben und zeigt den Nutzen sofort. Von dort wächst der Bestand entlang der Produkte, die ohnehin gerade dokumentiert werden – nicht entlang eines abstrakten Vollständigkeitsziels.
Häufige Fragen
Ab welcher Unternehmensgröße lohnt sich Terminologiemanagement?
Sobald mehr als eine Person schreibt oder in mehr als eine Sprache übersetzt wird. Der Aufwand steigt langsamer als der Nutzen, weshalb sich auch kleinere Redaktionen früh damit befassen.
Welche Normen regeln Terminologiearbeit?
Grundlegend sind die ISO 704 zu den Prinzipien der Terminologiearbeit und die ISO 26162 zur Gestaltung terminologischer Datenbanken.
Was ist eine Vorzugsbenennung?
Die verbindlich festgelegte Benennung eines Begriffs. Abweichende Synonyme werden in der Termbank als zugelassen oder als unerwünscht gekennzeichnet.
CARSTENS + PARTNER baut Terminologiebestände auf und bindet sie an Redaktions- und Übersetzungsprozesse an. Mehr dazu auf der Seite Technische Übersetzungen.




