Was ist Modularisierung?
Modularisierung bezeichnet in der Technischen Dokumentation das Zerlegen zusammenhängender Dokumente in abgeschlossene, wiederverwendbare Informationsmodule. Ein Modul beschreibt genau einen Sachverhalt – etwa eine Handlung, ein Konzept oder eine Referenzangabe – und ist ohne den umgebenden Text verständlich. Aus dem Modulbestand werden anschließend Publikationen zusammengestellt. Modularisierung ist die Voraussetzung für Variantensteuerung, für die Auslieferung über Portale und für den Einsatz eines CCMS.
Inhalt
Wie funktioniert Modularisierung?
Statt ein Handbuch als durchgehenden Text zu schreiben, entstehen einzelne Module, die in einer Publikationsstruktur angeordnet werden. Dieselben Module können in beliebig vielen Publikationen erscheinen.
Der Effekt zeigt sich bei der Änderung. Ein Sicherheitshinweis, der in zwölf Anleitungen vorkommt, wird einmal geändert und wirkt sofort in allen zwölf – ohne dass jemand nachhalten muss, wo er überall steht.
Wie schneidet man Module richtig?
Der Modulschnitt entscheidet über den Nutzen. Zu große Module lassen sich kaum wiederverwenden, zu kleine erzeugen Verwaltungsaufwand ohne Gegenwert.
Bewährt hat sich die Orientierung am Informationstyp. Ein Modul beantwortet entweder eine Handlungsfrage („Wie mache ich X?“), eine Konzeptfrage („Was ist X?“) oder liefert eine Referenzangabe (Tabellen, Werte). Module, die mehrere Typen mischen, sind das häufigste Hindernis für Wiederverwendung.
Ein praktischer Prüftest: Lässt sich das Modul in einer anderen Anleitung unverändert einsetzen? Wenn nein – warum nicht? Meist steckt darin ein Produktbezug, der als Variable oder Filter herausgelöst werden kann.
Welche Vorteile bringt Modularisierung?
Der Nutzen entsteht an vier Stellen:
- Weniger Redundanz: Inhalte existieren einmal statt in mehreren Fassungen.
- Geringerer Änderungsaufwand: Eine Änderung wirkt überall.
- Niedrigere Übersetzungskosten: Ein Modul wird einmal übersetzt und mehrfach verwendet – der größte messbare Hebel.
- Auslieferbarkeit: Nur modulare Inhalte lassen sich in Portalen einzeln bereitstellen.
Wie verändert Modularisierung das Schreiben?
Die größte Umstellung ist der Verzicht auf Kontextbezüge. Formulierungen wie „wie oben beschrieben“ oder „im folgenden Kapitel“ funktionieren nicht mehr, weil unklar ist, in welchem Zusammenhang das Modul erscheint.
Stattdessen arbeitet man mit expliziten Verweisen auf benannte Module und mit Voraussetzungen, die zu Beginn eines Handlungsmoduls benannt werden. Diese Disziplin fällt erfahrenen Redakteuren anfangs oft schwerer als Neueinsteigern.
Wie führt man Modularisierung ein?
Eine vollständige Umstellung des Bestands auf einen Schlag scheitert meist am Aufwand. Praktikabel ist ein schrittweises Vorgehen:
- Informationstypen und Modulschnitt festlegen und in den Redaktionsleitfaden aufnehmen.
- Mit einem neuen Produkt beginnen, das ohnehin dokumentiert wird.
- Häufig wiederkehrende Inhalte – Sicherheitskapitel, Standardhandlungen – zuerst modularisieren, weil sie den schnellsten Nutzen bringen.
- Bestandsdokumente nur dann überführen, wenn sie ohnehin überarbeitet werden.
Wo stößt Modularisierung an Grenzen?
Nicht jeder Inhalt gewinnt durch Zerlegung. Erzählende Einführungen, Produktbeschreibungen mit Argumentationsbogen und Schulungsunterlagen leben von Zusammenhang und verlieren durch kleinteilige Module.
Eine zweite Grenze ist organisatorisch: Modularisierung verlagert Aufwand von der Erstellung in die Pflege des Bestands. Wer Module anlegt, ohne Verantwortlichkeiten für ihre Pflege zu klären, erzeugt binnen weniger Jahre einen unübersichtlichen Bestand mit Dubletten – also genau das Problem, das gelöst werden sollte.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Modularisierung und Standardisierung?
Modularisierung zerlegt Inhalte in Einheiten. Standardisierung vereinheitlicht, wie diese Einheiten aufgebaut und formuliert sind. Erst zusammen entfalten beide ihre Wirkung.
Wie groß sollte ein Modul sein?
Es gibt keine feste Größe. Maßgeblich ist, dass ein Modul genau einen Sachverhalt behandelt und ohne Kontext verständlich bleibt.
Braucht Modularisierung zwingend ein Redaktionssystem?
Für kleine Bestände geht es auch ohne. Sobald Module in mehreren Publikationen wiederverwendet werden, ist ein System praktisch unverzichtbar.
CARSTENS + PARTNER modularisiert bestehende Dokumentation und führt Redaktionen an modulares Arbeiten heran. Mehr dazu auf der Seite SCHEMA ST4 Redaktionssystem.



