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Was ist Software-Lokalisierung?

Software-Lokalisierung bezeichnet die Anpassung eines Softwareprodukts an die sprachlichen, kulturellen, technischen und rechtlichen Anforderungen eines Zielmarkts. Sie umfasst mehr als die Übersetzung der Oberflächentexte: Auch Datums- und Zahlenformate, Sortierreihenfolgen, Maßeinheiten, Tastaturbelegungen, Grafiken und rechtliche Hinweise werden angepasst. Die gebräuchliche Abkürzung ist l10n. Software-Lokalisierung setzt voraus, dass die Software zuvor internationalisiert wurde, also technisch darauf vorbereitet ist, mehrere Sprachen und Regionen zu unterstützen.

Was unterscheidet Internationalisierung und Lokalisierung?

Internationalisierung ist die technische Vorbereitung, Lokalisierung die inhaltliche Anpassung. Die Internationalisierung geschieht einmal in der Entwicklung, die Lokalisierung für jeden Zielmarkt erneut.

Internationalisierung und LokalisierungInternationalisierung bereitet die Software technisch auf mehrere Sprachen vor, Lokalisierung passt sie an einen konkreten Zielmarkt an.Internationalisierung (i18n)Texte aus dem Code lösenZeichensätze, Formateeinmalig in der EntwicklungLokalisierung (l10n)Übersetzen, Formate anpassenLayout, Recht, Kulturje Zielmarkt erneutWurde die Internationalisierung versäumt, wird jede Lokalisierung zum UmbauprojektAbb. 1 · CARSTENS + PARTNER
Abb. 1: Internationalisierung als Voraussetzung der Lokalisierung

Der Zusammenhang ist folgenreich: Wurde die Internationalisierung versäumt – etwa weil Texte fest im Quellcode stehen –, wird jede Lokalisierung zu einem Entwicklungsprojekt statt zu einem Übersetzungsprojekt. Die Kosten vervielfachen sich, und jede Programmänderung gefährdet die bereits übersetzten Fassungen.

Was wird bei der Lokalisierung angepasst?

Der Umfang geht weit über sichtbaren Text hinaus:

  • Oberflächentexte einschließlich Fehlermeldungen und Tooltips.
  • Formate für Datum, Uhrzeit, Zahlen, Währung und Maßeinheiten.
  • Layout: Deutsche Texte sind gegenüber englischen häufig deutlich länger, was Schaltflächen und Dialoge sprengen kann.
  • Sortierung und Suche nach den Regeln der Zielsprache.
  • Grafiken und Symbole, sofern sie Text enthalten oder kulturell besetzt sind.
  • Rechtliche Inhalte wie Lizenztexte oder Datenschutzhinweise.

Wie hängen Software und Dokumentation zusammen?

Oberflächentexte und Dokumentation müssen zusammenpassen. Wird eine Schaltfläche in der Software anders benannt als in der Anleitung, ist die Anleitung praktisch unbrauchbar – unabhängig davon, welche Formulierung besser ist.

Deshalb gehören Oberflächentexte in denselben Terminologiebestand wie die Dokumentation. In der Praxis ist dies einer der häufigsten Bruchpunkte, weil Software und Dokumentation oft von unterschiedlichen Teams mit unterschiedlichen Werkzeugen bearbeitet werden. Ein gemeinsames Terminologie-Fundament löst das Problem an der Wurzel.

Wie läuft ein Lokalisierungsprojekt ab?

Der Ablauf unterscheidet sich von einem Dokumentationsprojekt vor allem durch die Testphase.

  1. Texte extrahieren aus Ressourcendateien statt aus dem Quellcode.
  2. Übersetzen mit Kontextinformationen – ein Wort wie „Speichern“ kann Schaltfläche oder Menütitel sein.
  3. Zurückführen der Übersetzungen in die Anwendung.
  4. Lokalisierungstest: Prüfen, ob Texte abgeschnitten werden, Formate stimmen und die Anwendung stabil läuft.

Der Test ist der Schritt, der am häufigsten gestrichen wird – und der die meisten Fehler aufdeckt. Übersetzungen sind in Textform korrekt und in der Oberfläche trotzdem unbrauchbar, wenn sie nicht in das vorgesehene Feld passen.

Welche Fehler treten typischerweise auf?

Drei Muster wiederholen sich in fast jedem Projekt:

  • Übersetzen ohne Kontext: Einzelne Wörter ohne Angabe, wo sie erscheinen, führen regelmäßig zu falschen Entsprechungen.
  • Zusammengesetzte Zeichenketten: Sätze, die aus Fragmenten zusammengebaut werden, lassen sich in Sprachen mit anderer Wortstellung nicht korrekt bilden.
  • Fehlender Platz im Layout: Wird nur mit englischen Texten getestet, fallen Überläufe erst beim Kunden auf.

Was gilt bei regulierter Software?

Bei Medizintechnik-Software und anderer regulierter Software ist die Lokalisierung Teil der Konformität. Die Oberflächensprache und die Gebrauchsanweisung müssen in der Amtssprache des Zielmarkts vorliegen, und Änderungen an sicherheitsrelevanten Texten lösen erneute Prüfpflichten aus.

Damit wird Lokalisierung von einer Marktfrage zu einer Zulassungsfrage. Sprachfassungen lassen sich in diesen Fällen nicht kurzfristig ergänzen, sondern müssen im Entwicklungsplan vorgesehen sein.

Häufige Fragen

Ist Lokalisierung dasselbe wie Übersetzung?
Nein. Übersetzung ist ein Teil der Lokalisierung. Hinzu kommen Formate, Layout, kulturelle und rechtliche Anpassungen.

Wofür stehen i18n und l10n?
Es sind Kurzformen: i18n für Internationalization mit 18 Buchstaben zwischen i und n, l10n für Localization.

Wann sollte die Lokalisierung eingeplant werden?
So früh wie möglich. Die Internationalisierung gehört in die Architekturphase, nicht in die Zeit kurz vor dem Marktstart.

CARSTENS + PARTNER lokalisiert Software und Dokumentation aus einer Hand und hält Oberfläche und Anleitung terminologisch konsistent. Mehr dazu auf der Seite Technische Übersetzungen.


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