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Was ist Maschinelle Übersetzung?

Maschinelle Übersetzung bezeichnet die automatische Übertragung von Texten aus einer Ausgangssprache in eine Zielsprache durch ein Softwaresystem, ohne dass ein Mensch eingreift. Die gebräuchlichen Abkürzungen sind MÜ im Deutschen und MT im Englischen. Heutige Systeme arbeiten neuronal: Sie berechnen anhand großer Textmengen die wahrscheinlichste Entsprechung im Zielkontext. Das Ergebnis wird als Rohübersetzung bezeichnet. Für veröffentlichte Technische Dokumentation wird sie in der Regel durch Post-Editing nachbearbeitet.

Wie funktioniert maschinelle Übersetzung?

Neuronale Systeme übersetzen nicht Wort für Wort, sondern verarbeiten ganze Sätze im Zusammenhang. Sie berechnen, welche Zielsprachformulierung angesichts des gesamten Satzes am wahrscheinlichsten ist – gelernt aus sehr großen Mengen bereits übersetzter Texte.

Einordnung der maschinellen ÜbersetzungDie maschinelle Übersetzung erzeugt eine Rohübersetzung, die je nach Verwendungszweck unbearbeitet bleibt oder durch Post-Editing auf Veröffentlichungsniveau gebracht wird.Ausgangstextmöglichst einheitlichund klar strukturiertMÜ-EngineerzeugtRohübersetzungVerwendungunbearbeitet: nur internpost-editiert: publizierbarDie Qualität der Rohübersetzung hängt stärker vom Ausgangstext ab als von der EngineAbb. 1 · CARSTENS + PARTNER
Abb. 1: Einordnung der maschinellen Übersetzung im Übersetzungsprozess

Daraus folgt eine Eigenschaft, die für die Praxis entscheidend ist: Das System bewertet Wahrscheinlichkeit, nicht Richtigkeit. Eine flüssig formulierte, inhaltlich falsche Übersetzung ist für das System ein ebenso gutes Ergebnis wie eine korrekte – der Unterschied fällt nur einem fachkundigen Menschen auf.

Wovon hängt die Qualität ab?

Drei Faktoren bestimmen das Ergebnis, und der erste wird am häufigsten unterschätzt:

  • Ausgangstext: Kurze, eindeutige Sätze mit einheitlicher Terminologie liefern deutlich bessere Rohübersetzungen als verschachtelte Sätze mit wechselnden Benennungen.
  • Sprachrichtung: Häufig trainierte Paare wie Deutsch–Englisch liefern bessere Ergebnisse als seltene Kombinationen.
  • Fachgebiet und Training: Mit eigenen Übersetzungen trainierte Systeme treffen die firmeneigene Terminologie deutlich zuverlässiger.

Wer die Qualität verbessern will, arbeitet deshalb sinnvollerweise zuerst am Ausgangstext und an der Terminologie – nicht an der Auswahl der Engine.

Wo liegen die Grenzen?

Maschinelle Übersetzung hat charakteristische Schwächen, die sich von menschlichen Fehlern unterscheiden. Typisch sind unterschlagene Verneinungen, falsch aufgelöste Bezüge bei langen Sätzen, inkonsistente Benennungen über ein Dokument hinweg und erfundene Inhalte bei unvollständigem Ausgangstext.

Besonders kritisch ist die Kombination aus flüssiger Formulierung und inhaltlichem Fehler. Bei sicherheitsrelevanten Inhalten – etwa einem Warnhinweis, in dem eine Verneinung verloren geht – kehrt sich die Aussage um, ohne dass der Text auffällig wirkt. Deshalb ist unbearbeitete maschinelle Übersetzung für Sicherheitsinformationen ungeeignet.

Wann lohnt sich der Einsatz?

Gut geeignet sind umfangreiche, sachlich formulierte Texte mit hohem Wiederholungsanteil – also typische Technische Dokumentation. Der wirtschaftliche Nutzen wächst mit der Textmenge und der Zahl der Zielsprachen.

Weniger geeignet sind kurze Texte, bei denen der Einrichtungsaufwand den Nutzen übersteigt, sowie werbliche und rechtlich exakte Texte. Belastbar wird die Entscheidung nur durch einen Test mit repräsentativem Material und gemessenem Nachbearbeitungsaufwand.

Was ist beim Datenschutz zu beachten?

Frei zugängliche Übersetzungsdienste verarbeiten eingegebene Texte auf fremden Servern und nutzen sie unter Umständen zur Weiterentwicklung ihrer Systeme. Für unveröffentlichte Konstruktionsunterlagen ist das ein reales Risiko.

Unternehmen setzen deshalb auf Systeme mit vertraglich zugesicherter Vertraulichkeit oder auf Installationen im eigenen Netz. Diese Frage sollte vor dem ersten Einsatz geklärt sein und nicht nachträglich, wenn Mitarbeitende bereits eigene Wege gefunden haben.

Wie arbeitet MÜ mit CAT-Tools zusammen?

In der Praxis werden beide kombiniert. Das CAT-Tool prüft zuerst das Translation Memory; findet es keinen brauchbaren Treffer, liefert die MÜ-Engine einen Rohvorschlag.

Diese Reihenfolge ist wichtig: Bereits geprüfte menschliche Übersetzungen haben Vorrang vor neu erzeugten. Wer sie umkehrt, verschenkt die geprüfte Qualität früherer Projekte und erhöht zugleich den Nachbearbeitungsaufwand.

Häufige Fragen

Ist maschinelle Übersetzung kostenlos?
Frei zugängliche Dienste ja, professionelle Lösungen mit Vertraulichkeitszusage und Anbindung an CAT-Tools nicht. Hinzu kommt der Aufwand für das Post-Editing.

Kann maschinelle Übersetzung Fachübersetzer ersetzen?
Für veröffentlichte Technische Dokumentation nicht. Sie verändert die Arbeit hin zum Post-Editing, ersetzt die fachliche Prüfung aber nicht.

Was ist der Unterschied zwischen MÜ und Translation Memory?
Das Translation Memory liefert frühere menschliche Übersetzungen, die MÜ-Engine erzeugt neue. Das eine ist Wiederverwendung, das andere Generierung.

CARSTENS + PARTNER kombiniert maschinelle Übersetzung mit fachlichem Review. Mehr dazu auf der Seite Technische Übersetzungen.


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